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# Jessica Kert
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**Jessica Kert** ist eine in Berlin ansässige Musikerin und Produzentin, die sich auf modulare Synthese und Techno spezialisiert hat. Ihre Veröffentlichungen erschienen auf Labels wie Detroit Underground, Athmophile Electronics und Associated Parapoloid. Ihre Live-Auftritte in Clubs und auf Festivals zeichnen sich durch präzise Rhythmen, experimentelle Klangtexturen und den Einsatz analoger Modularsysteme aus. Durch ihre Tätigkeit im Berliner Synthesizer-Fachgeschäft SchneidersLaden vertiefte sie ihr technisches Verständnis für modulare Systeme. Neben ihrer künstlerischen Arbeit gibt sie Workshops, in denen sie ihr Wissen über Synthese und Live-Performance weitergibt.
[Jessica Kert](https://www.instagram.com/jessyandthechords/)
# Das Live-Setup
**Benjamin Weiss:** Was ist dein Live-Setup?
**Jessica Kert:** Ich habe mir meine eigene “Drummaschine“ gemacht, mit unterschiedlichen Drum-Modulen von MFB, [Shakmat](https://shakmat.com/) und [TipTop Audio](https://tiptopaudio.com/). Die einzelnen Stimmen wechseln sich auch teilweise ab, wie mal eine Clap oder Cowbell und werden von einem Trigger-Sequenzer gesteuert. Dann habe ich noch ein paar Noise-Sources, das sind meine zusätzlichen perkussiven Sounds. Als Stimmen habe ich einen [Complex Oscillator](http://www.verboselectronics.com/modules/complex-oscillator). Der wird dann noch von zwei Filtern und Envelopes bearbeitet, unterschiedlich geöffnet für polyrhythmische Sachen. Zum Steuern benutzte ich zwei verschiedene CV Sequencer.Damit mache ich meine Basslines, ein bisschen Acid-Sounds, Melodien und so. Und noch einen One Shot Sample Player.
Effekte benutze ich immer außerhalb vom Modularsystem, genauso wie den Mixer. Ich habe ein Audio-Interface, da geht alles rein und dann alle Audiospuren achtmal raus auf den Desktop-Mixer. Da liegen dann auf den Aux-Sends der [Big Sky](https://www.strymon.net/product/bigsky-mx/?srsltid=AfmBOoo0DXwD29T0-MPnL-hQvGhUXml_6BhJ0SwCIedFkuRIrwxBapSt) oder mal ein Spring Reverb. Also Delays, Reverbs, dies, das – da nehme ich immer unterschiedliche Welten, je nachdem, wie die Stimmung ist.
## Vorbereitung und Improvisation „On the Fly“
**Benjamin Weiss:**: Und wie viel bereitest du vor, wenn du live spielst?
**Jessica Kert:** Ich bereite nichts an Sequenzen vor. Die ganzen Melodien und Basslines mache ich on the spot mit dem Sequence Selector und Multistage von [Verbos](http://www.verboselectronics.com). Eigentlich ist es das Gleiche mit den Drums. Ich habe insgesamt acht unterschiedliche Stimmen und die wechsle ich immer an und spiele sie einfach live. Ich bereite mir ein kleines Anfangsszenario vor, so ein kleines Pattern, und mit dem Sequenzer kann ich live jammen, Copy-Paste machen und andere Pattern editieren. Das mache ich alles on the fly.
## Flexibilität und Mobilität
**Benjamin Weiss:**: Und wann entscheidest du, wie die Stimmung ist?
**Jessica Kert:** Das hängt vom jeweiligen Tag ab. Ich entscheide das immer kurz bevor ich den Gig spiele. Ich schaue noch mal, ob alles geht, und dann wähle ich meine Effekte aus, worauf ich gerade Lust habe.
**Benjamin Weiss:**: Nimmst du deinen eigenen Mixer mit oder lässt du dir einen stellen?
**Jessica Kert:** Ab und an muss ich ihn leider mitnehmen, weil es die Gegebenheiten erfordern. Aber generell finde ich es schon gut, wenn man einen bereitgestellt bekommt. Meistens kriege ich schon einen. Mein Setup besteht aus einem Einreiher- case, einem [Tiptop Audio Mantis Case](https://tiptopaudio.com/mantis/) und dann so ein kleines Gerät und das Effektpedal. Es ist auf jeden Fall gut zu transportieren.
**Benjamin Weiss:**: Was ist dir am wichtigsten für die Geräte, mit denen du live spielst?
**Jessica Kert:** Ganz wichtig ist auf jeden Fall, dass es kompakt ist, weil ich damit auch verreisen will. Ich will ja nicht nur in Berlin spielen, sondern auch mal mit dem Flugzeug irgendwo anders hin. Das ist wichtig. Meine Module sind alle so ausgewählt, dass sie super flexibel sind, sowohl was die Soundcharakteristik betrifft als auch die Filter, die ich nutze. Ich will live schnell irgendwas patchen können. Wenn ich das Gefühl habe, es wäre jetzt geil, wenn da noch eine Fläche wäre oder ein Drone, dann will ich das schnell machen können. Dafür brauche ich flexible Module. So ein Oszillator ist zum Beispiel mega, wenn du ihn woanders hinführen kannst, wenn du FM machst oder Amplitudenmodulation oder mit dem Wave-Shaper arbeitest. Das bringt viel Bewegung unterschiedlichster Couleur rein.
## Haptik, Farben und die Abneigung gegen Menüs
**Benjamin Weiss:**: Und was ist dir wichtig, wenn es um Haptik geht? Wie müssen die Geräte zu bedienen sein?
**Jessica Kert:** Bei Sequenzern stehe ich schon drauf, wenn das „hands-on“ ist. Ich bin kein Fan von unglaublich langen, komplexen Melodien. Visuelles Feedback finde ich voll wichtig. Daran kann ich mich gut orientieren: Wo bin ich gerade überhaupt, was passiert? Ich mag es schon, wenn man Platz hat, seinen Filter mal ein bisschen aufzuwickeln oder seinen Oszillator. Es ist wichtig, dass die Module nicht nur zwei HP groß sind, so dass man keinen Zugriff mehr hat. Ich mag es, wenn man direkt Zugriff darauf hat.
**Benjamin Weiss:**: Was an dem visuellen Feedback ist dir wichtig? Was ist da essenziell?
**Jessica Kert:** Ich kann mich immer mega gut an Farben und Laufrichtungen orientieren, insbesondere bei Trigger-Sequenzern. Es wird ja mitunter recht kompliziert, weil man sich über den Live-Weg hinweg große Pattern zusammen programmiert hat. Da finde ich es gut zu sehen: Wie ist die Laufrichtung? Das hilft mir bei der Orientierung, weil ich mir dann vorstellen kann, was gerade passiert und wo wir sind.
Minidisplays und Menüs mag ich nicht. Du siehst das einfach nicht, wenn du live spielst und alles um dich herum hart dunkel ist. Da geht nicht so viel mit einem kleinen Display. In meinem System mag ich es auf jeden Fall ohne Display.
## Polyrhythmik und die Suche nach dem perfekten Filter
**Benjamin Weiss:**: Du hast ja eine ziemlich große Auswahl durch deinen Job bei Schneiderladen. Aber gibt es irgendwas, was du schon lange gerne hättest für ein Live-Set, aber bisher noch nicht gefunden hast?
**Jessica Kert:** Gerade bei Sequenzern finde ich es tatsächlich immer schwierig, da muss man immer Kompromisse machen. Bei meinen Trigger-Sequenzern würde ich mir wirklich wünschen, dass man zum Beispiel acht Spuren hat und jede Spur eine eigene Länge haben kann. Dass ich sagen kann: Spur eins hat acht Steps und Spur zwei hat 32 Steps zum Beispiel. Solche Sachen fände ich ganz geil.
Ich fände es auch gut, wenn es mal einen richtig klaren Hochpass-Filter gibt, aber nur Hochpass, und zwar in ganz klein. Da habe ich auch noch keinen gefunden. Aber ansonsten habe ich an meinen Instrumenten nicht viel auszusetzen. In Bezug auf polyrhythmische Sachen finde ich Sequenzer ein bisschen schwierig in meinem Setup. Natürlich könnte ich mir noch Clock-Multiplier oder Logic-Module dazuholen, aber dann ist wieder kein Platz oder ich brauche ein größeres Case. Ich will mich aber auf genau diese Größe begrenzen, weil alles andere beim Reisen schwierig wird.
**Benjamin Weiss:**: Und die Modularität ist dir wichtig? Du würdest jetzt nicht mit zwei oder drei Desktop-Geräten spielen?
**Jessica Kert:** Doch, das würde ich auch. Wenn mir das Desktop-Gerät genau das gibt, was ich will und ich noch Knöpfe drehen kann,dann würde ich das machen. Aber ansonsten bedeutet es halt, dass ich wieder ein Ding mehr mitschleppen muss. Es kommt drauf an, was das Teil für mich macht.
## Feedback zum TBD-Toolkit Prototyp
**Benjamin Weiss:**: Guter Übergang. Jetzt haben wir hier so ein Teil \[den Prototyp\]. Wenn du das machen könntest, was du willst, was würdest du damit machen?
**Jessica Kert:** Ich gucke es mir erst mal an und drücke ein bisschen drauf rum. Das mit den Triggersequenzen, was ich erwähnt habe, würde ich auf jeden Fall machen. Effekte fände ich auch ganz nice, wenn da welche drin wären. Ich fände es auch mega wenn das ein kleiner MIDI-Controller wäre, den würde ich eher benutzen, wenn ich mit einem [Buchla](https://buchla.com/)-System spiele. Gott, für was würde ich das noch machen?
Für so Spacial Sounds fände ich das auch ganz superOder so eine Art Matrix, wo man Audio- und CV-Signale routen kann. Das fände ich auch cool. Und natürlich als Sampler\! In meinem System arbeite ich zwar mit Samples, aber das ist immer nur ein Sample. Das hier würde ich auch als klassischen Sampler nutzen. Und Live-Looping wäre natürlich auch fett. Ich mag Samples, ich mache gerne Multisamples.
Allerhand Effekte natürlich, von Granular bis Delay und Reverb, so wie die Big-Sky-Boxen. Das könnte natürlich auch so ein Teil sein mit Sensoren, dass man mit Bewegungen irgendwas in seinem System auslösen kann – ein Controller Deluxe. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das Gerät Videosynthese machen könnte. Das fände ich eigentlich nicht schlecht, dann könnte man seine eigenen Visuals zum Live-Set machen. Ein Laserteil wäre auch cool.
**Benjamin Weiss:**: Wie würdest du dir wünschen, dass das Setup funktioniert? Wenn es so ein modulares Ding ist, wo du dir Funktionen zusammenbauen kannst?
**Jessica Kert:** Es muss einfach gehalten sein. Die Parameter, die in einem Szenario wichtig sind, müssen schnell erreichbar sein. Ich würde das Setup vielleicht am Computer machen und dann draufschicken. Ich habe nichts gegen Computer, aber auf der Arbeit sitze ich den ganzen Tag davor. Deshalb bin ich beim Musikmachen froh, wenn ich das einfach mal nicht habe. Es könnte natürlich auch jeder krasse Synthie da drauf sein, polyphon mit 60.000 Stimmen – aber ich würde bei diesem Gerät nicht zuerst daran denken, einen Synthie einzubinden. Aber das bin nur ich. Es hat auf jeden Fall alles: USB, einen kleinen Slot, USB-C. Ich gebe dir das mal wieder zurück.
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*Interview: [Benjamin Weiss (MID)](https://instrument-design.com/)*
*Gefördert von [NLnet](https://nlnet.nl/project/TBD-DSP-Toolkit/)*
*KI-Nutzung: Sprachmemos von Apple zur Transkription*
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